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 TANNSTEIN-KLASSE
Norddeutschen Lloyd, Bremen


                               

sum tannsteinklasse21955 werden die ersten drei Schiffe der TANNSTEIN-Klasse vom Bremer Vulkan an den NDL übergeben. Die Schiffe sind bei fast gleichen Abmessungen eine verbesserte Version der BRANDENSTEIN-Klasse, die der Bremer Vulkan 1952/53 gemeinsam mit MS BIEBERSTEIN und MS BÄRENSTEIN abliefert. Der MS TANNSTEIN, die am 20.Juli 1955 abgeliefert wird, folgt am 25.August MS TORSTEIN und am 08.Dezember MS BIRKENSTEIN. Durch nicht ausgeglichene Verbindlichkeiten im Ausland sieht sich der NDL genötigt, die Roland-Linie Schiffahrtsgesellschaft mbH und Orlanda-Reederei GmbH wieder aufleben zu lassen. Beide Reedereien dienen als Bauträger und Käufer der Frachter, um sich einer Beschlagnahme von Schiffen, zum Ausgleich der Schulden, zu entziehen. 
Die günstige Entwicklung des deutschen Außenhandels war maßgebend für die Wiedereinrichtung der sum tannsteinklasse3einzelnen Liniendienste nach dem Krieg. Hatte man schon vor dem Krieg Gemeinschaftsdienste mit der HAPAG begonnen, so konnte man jetzt, durch Einbringung von fünf Schiffen der TANNSTEIN-Klasse in den gemeinsamen Nordatlantikdienst, wöchentliche Abfahrten nach New York, Philadelphia, Baltimore, Norfolk und Newport News anbieten. Sowohl in TANNSTEIN als auch in TORSTEIN lässt der NDL aus Kostengründen Antriebsmaschinen aus Restbeständen der Danziger Werft einbauen. Mit 14,5 Kn erweisen sich diese Schiffe aber als zu langsam.


Sie werden im Südamerika-Westküste-Dienst eingesetzt. TANNSTEIN und TORSTEIN sind noch bis zum Jahr 1959 für die Roland-Linie Schiffahrtsgesellschaft mbH eingetragen. Das gleiche gilt auch für BIRKENSTEIN, sum tannsteinklassedie allerdings für die Orlanda-Reederei GmbH in den Büchern stand. Erst mit Übernahme des NDL werden die Schornsteine im traditionellen Lloydgelb gestrichen. Schon bei BIRKENSTEIN entscheidet man sich einen 8-Zyl.Diesel von MAN-Vulkan mit 9000 PSe als Antriebsmaschine einzubauen, der dem Schiff eine Geschwindigkeit von 17,5 Kn erlaubt. 1962 erhalten TANNSTEIN und TORSTEIN bei den Howaldtswerke, Hamburg, jeweils einen 8-Zyl Diesel von MAN mit 8480 Pse, der den Schiffen eine Geschwindigkeit von nun 17 Kn verleiht.
Mit MS BREITENSTEIN, die am 07.Januar 1956 und MS BISCHOFSTEIN, die am 04. Februar 1956, an die Orlanda-Reederei GmbH  abgeliefert werden, sind nun fünf Schiffe dieses Typs im Einsatz.  Die folgenden drei Schiffe dieser Serie werden mit MS BLANKENSTEIN (am 30.August 1956) als letztem Schiff dieser Gruppe, an die Orlanda-Reederei GmbH sowie MS BARTENSTEIN (am 04.Oktober 1956) an NDL und MS BODENSTEIN (am 29.Dezember 1956) ebenso an NDL abgeliefert. Sie erhalten eine verlängerte Back und sind, als Volldecker vermessen, bei gleichen Abmessungen größer als ihre Vorgänger.   
Mit der Fusion gehen alle acht Schiffe am 01.September 1970 in den Besitz der HAPAG-LLOYD AG, Hamburg/Bremen über. Mit zunehmender Containerisierung werden die Schiffe in unterschiedlichen Fahrtgebieten eingesetzt. TORSTEIN und TANNSTEIN werden 1972 veräußert. 1976 folgen BREITENSTEIN und BISCHOFSTEIN. BIRKENSTEIN, BLANKENSTEIN, BARTENSTEIN und BODENSTEIN werden 1977 verkauft. Erst 1986 werden die letzten Schiffe dieser Klasse abgebrochen.   
sum tannsteinklasse4MS Bartenstein lief in der Nacht vom 1. zum 2. April 1975 in der südlichen Einfahrt zur Bucht von San Juan del Sur (Nicaragua) auf einen Felsen. Durch einen ca. 5m langen Riß am Unterwasserschiff in Höhe der Luken 1 und 2 drang Wasser in das Schiff und setzte die Luken bis zum Spardeck (das oberste Zwischendeck) unter Wasser. Vermutlich entstand durch aufquellende Ladung  ein Leck zu Luke 3, die ebenfalls bis zum Spardeck vollief. Beim darauffolgenden Hochwasser gelang es dem Schiff, mit eigener Kraft frei zu kommen. Jedoch reichte die Kapazität der bordeigenen Mittel bei weitem nicht aus, das Wasser abzupumpen. So entschied man sich, MS BARTENSTEIN am 4. April mit Schlepperhilfe auf den weichen Strand vor San Juan del Sur zu setzen. Das Schiff wurde später abgeborgen und repariert. Zum Zeitpunkt der Havarie fuhr das Schiff für HAPAG Lloyd International SA (HAPAG Lloyd AG) mit Heimathafen Bremen; bereedert durch Mamenic Line, Nicaragua. 


Es sei hier noch erwähnt, dass MS BREITENSTEIN unter dem Kommando von Kapitän W. Hanuschke im Jahre 1974 in zwei Seenotfällen sechs Menschen aus Seenot gerettet hat. Am 30. April 1974 um 10.28 Uhr sichtet der Jungmann Wolfgang Krahn während seiner Wache als Ausguck auf der Kommandobrückeauf Position 45 Grad 1' Nord und 12 Grad 20' West  eine aufgeblasene Rettungsinsel. Bei Wind aus West-Nordwest Stärke 7, und grober bis sehr grober See sowie Dünung, sum tannsteinklasse2wird die Rettungsinsel an Lee genommen und die Schiffbrüchigen über ausgebrachte Netze und Leitern geborgen. Bei den Geretteten handelt es sich um vier Männer: James Laing (New Zealand) Eigner und Skipper, Eirwyn Trefor Williams (British), John Neville Jones (British) und Peter Frederik Brackenbury (British). Alle vier Personen waren an Bord des in Beaumaris beheimateten Segelkatamarans "HOKU-PAA" der sich auf der Reise von Milford Haven nach Bridgetown/Barbados befand. Alle Geretteten waren in gesundheitlich gutem Zustand und wurden in Punta Delgado auf der Azoreninsel Sao Miguel dem dortigen britischen Konsul übergeben. Am 27.November 1974 wird auf MS BREITENSTEIN unterwegs von San Josè nach Balboa (Wesküste-Südamerika) der Notruf "Mayday" klar und laut gehört. Es wird in Erfahrung gebracht, dass es sich um die in Los Angeles beheimatete Yacht "Desiree" die östlich von Punta Burica mit fünf Personen an Bord auf ein Riff gelaufen ist, handelt. MS BREITENSTEIN nimmt mit 15 Kn Kurs auf den Havaristen. Als man die Unfallstelle erreicht, wird das Motorrettungsboot an Stb. Seite klar gemacht und mit 10 Mann besetzt. Unter schwierigsten Umständen und großem körperlichem Einsatz der Rettungsbootmannschaft gelingt es an die "Desiree" heranzukommen. Nach Verständigung mit dem Skipper werden zwei weibliche Personen abgeborgen. Der Eigner will mit zwei Mann an Bord bleiben. Der inzwischen ebenfalls zur Hilfe eilenden MS POLAR ARGENTINA der Hamburg-Süd, werden später die beiden Frauen übergeben, und sie nach Pto. Armuelles zurückzubringen. Während man das Rettungsboot und Besatzung ohne Schaden an Bord nimmt, kann man auf BREITENSTEIN beobachten, dass die "Desiree" inzwischen freigekommen ist. Offenbar haben die immer stärker werdenden Brecher die Yacht über die Untiefe hinweggespült. MS BREITENSTEIN konnte seine Reise fortsetzen.

Text: Christian Biedekarken


 

MS Tannstein und Torstein sind wie folgt vermessen:  

L.ü.A: 151,81 
Breite: 18,44 
Tiefg.:  7.57 
BRT: 5572 
NRT: 3192 
tdw: 8310 
Besatzung: 43 
Passagiere: 6  
Antrieb: Ein  2Te Dieselmotor MAN G7Z  52/70 Hersteller: Danziger Werft (Bauj. 1939) Zusätzl.: 4-Takt Dieselmotor 6-Zylinder 45/66 Hersteller: Bremer Vulkan 
PSe: 4800 
Kn.: 14,5 
1962 erhalten beide Schiffe eine neue Maschine: MAN 8 Zylinder K8Z 70/120
PSe: 8480 
Kn.: 17,5

MS Birkenstein ist wie folgt vermessen:
L.ü.A: 151,81 
Breite: 18,44 
Tiefg.:  7.57 
BRT: 5798 
NRT: 3350 
tdw: 7950 
Besatzung: 43 
Passagiere: 6  
Antrieb: Ein  2Te Dieselmotor MAN G8Z  78/140 Hersteller: Bauwerft 
PSe: 9000 
Kn.: 17,5



Die Fotos aus dem Motorenraum wurden auf der "Cap San Diego", Baujahr 1961, in Hamburg aufgenommen. Er entspricht, bis auf ein paar Abweichungen, den Motorenräumen der Tannsteinklasse.

 

  • sum1_masch-raum-zylindersta
  • sum2_Hilfsdiesel
  • sum3_antrieb-mit-kreuzkopf
  • sum4_fahrstand
  • sum5_wellentunnel-stopfbuchse

Simple Image Gallery Extended


 


 

Die Frachtmotorschiffe der Tannstein-Klasse

Tannstein ,1955    Bremer Vulkan, Vegesack / Abbruch 1986 in Nantong

Torstein, 1955      Bremer Vulkan, Vegesack / Abbruch 1986 in China

Birkenstein 1955    Bremer Vulkan, Vegesack / Abbruch 1986 in Kaohsiung

Breitenstein 1956  Bremer Vulkan, Vegesack / Abbruch in Gadani Beach

Bischofsstein 1956Bremer Vulkan, Vegesack / Abbruch 1983 Gadani Beach

Blankenstein 1956  Bremer Vulkan, Vegesack / Abbruch 1983 in Kaohsiung

Bartenstein 1956   Bremer Vulkan, Vegesack / Abbruch 1983 in Bangkok

Bodenstein 1956    Bremer Vulkan, Vegesack / Abbruch  1979 in Hsinkiang

Quellennachweise

Quellen, die ich für meine Recherche nutzte und deren fachlichen Inhalt ich übernahm:
Wikipedia
Christian Biedekarken
Abert, H.-J.:"Die Deutsche Handels-Marine 1870-2000" Eigenverlag
Kludas, Arnold "Hapag-Lloyd Die ersten 25 Jahre" Verlag Gert Uwe Detlefsen
Kludas, Arnold "Die Seeschiffe des Norddeutschen Lloyd 1929-1970" Köhlers Verlagsgesellschaft mbH, Herford
Krüger-Kopiske, Karsten Kunibert "Die Schiffe von Hapag-Lloyd" Köhlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg

 

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