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Passat forever!

oder: Landratten an Bord 

Autor: Bernd Kaminski

L1060199Es war der Weltfischbrötchentag (in 2013 am 04.05.2013), wir standen am Anleger der Priwall-Personenfähre in Travemünde. Wir, Elke & Wolfgang - Wolfgang, der alte Seebär ( siehe unter „meine Reisen“) - aus Sereetz bei Lübeck und Birgit & Bernd aus Berlin (nicht aus Berlin südlich des Großen Plöner Sees, das übrigens sehr sehenswert ist) und blickten auf das jenseitige Traveufer zum Priwallhafen – zur Passat. Da liegt sie nun – seit 1959 vertäut. Wie mag sie sich fühlen die Rentnerin, die alte Dame? Das wollten wir wissen! Vielleicht würde sie uns etwas über sich erzählen.
Also, die Fähre kam bald und auch einige andere Interessierte gingen an Bord. Schon die Überfahrt über die Trave zum Priwall, war ein tolles Erlebnis (lebhafter Schiffsverkehr) – zumal bei traumhaftem Wetter.
Am Priwalkai lag sie dann vor uns, die Passat, in ihrer ganzen Pracht! Ein Traum von einem Schiff! Das sollte jeder einmal gesehen haben (und natürlich möglichst auch von innen).
Gut ist es natürlich, sich vorher über dieses Schiff zu informieren, um „es zu verstehen“; aber wer bis zum Betreten nicht viel über die Passat wusste (wie, zugegebenermaßen wir Berliner Landratten auch), der wird von einem sehr freundlichen Bootsmann eingewiesen. Er weiß alles über dieses Schiff. Hier also ein paar Fakten, die man unbedingt wissen muss:
Die Passat wurde von der Werft Blohm und Voss gebaut und lief 1911 vom Stapel. Sie gehörte der Reederei F. Laeisz und sie war einer der sogenannten Flying P-Liner, jener legendären Frachtsegler (alle Schiffsnamen hatten als Anfangsbuchstaben ein „P“). Die Passat ist eine Viermast-Stahlbark. Sie hatte viele Schwesterschiffe, aber die bekanntesten waren diese acht: die Pangani (1903), die Petschili (1903), die Pamir (1905), die Peking (1911), die Pola (1918), die Priwall (1920) und die Padua (1926). Die Padua läuft heute unter dem Namen Krusenstern. Sie ist seit Ende des zweiten Weltkriegs nun ein russisches Segelschulschiff, benannt nach dem russischen Admiral Adam Johann von Krusenstern. Sie ist der einzige der Flying-P-Liner, der Reederei F. Laeisz, der noch heute auf See im Einsatz ist.
Die Passat lief während ihrer Zeit bei der Reederei Laeisz, zwischen Europa und Südamerika. Ab 1932 gehörte sie zur finnischen Reederei Erikson – da nahm sie regelmäßig an den sogenannten Weizenregatten teil. Sie umrundete in dieser Zeit 39 Mal das Kap Hoorn – zuletzt 1949. Dann ging es mit der Frachtsegelei leider bergab – 1959 war dann Schluss (dramatisch: das Schwesterschiff Pamir sank 1957 während eines Hurrikans im Atlantik zwischen Amerika und Europa).
Aber zum Glück wurde die alte Dame „Passat“ vor dem Abwracken gerettet und liegt nun stolz im Priwallhafen. Und man kann sie sich ansehen. Und das sollte man auch tun, denn es lohnt sich!

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Es ist schön auf ihren Decks entlang zu gehen und sich vorzustellen, wie das wohl damals gewesen sein mag – auf großer Fahrt. Aber man fühlt dabei auch, was es für die Mannschaft bedeutete, auf kleinem Raum miteinander auszukommen und wie schwer die Arbeit gewesen sein mag – vor allem, wenn man in die Frachträume blickt.
Es war ein ganz tolles Erlebnis, die Passat zu besichtigen und man kann nur jedem empfehlen, es auch zu tun, der sich in Travemünde aufhält.
Wieder mit der Personenfähre in Travemünde angekommen, waren wir dann noch ein Fischbrötchen essen (denn es war ja Weltfischbrötchentag) – aber erstaunlicherweise, kannte die freundliche Fischbrötchenverkäuferin diesen Tag nicht – na ja, man kann nicht alles wissen – dennoch, die Fischbrötchen waren lecker!

Moin Moin (wenn dieser Gruß einem Berliner gestattet ist)

Bernd Kaminski

im Juni 2013

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